Die Geschichte des EKL

Geburtsstunde
"Als ich zum ersten Mal in Luzern meine Schlittschuhe anschnallte und auf dem Rotsee dem Eislauf huldigte, zählte man das Jahr 1887. Das Kunstlaufen war hierzulande – im Gegensatz zu Skandinavien und Finnland - so gut wie unbekannt, weil eine systematische Pflege darin fehlte. Wer seine Figuren stil- und schwungvoll ins Eis zu zeichnen und etwa mit einem "Mond" abzuschliessen verstand, wurde gross angestaunt und fand als "Künstler" ein dankbares Publikum. In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat die Sportbewegung einen gewaltigen Aufschwung genommen und mit ihr auch der Eissport. In allen grösseren Städten findet man im Winter sachkundige Anleitung und Weiterbildung in diesem schönen und gesunden Sport." Diese Worte schrieb kein geringerer als der Konsul von Finnland, Lennart Akesson-Amrein anlässlich des zehnten Geburtstages des Eisklubs Luzern im Vorwort der Festschrift. Als Gründungsmitglied war er nämlich am 21. Februar 1927 dabei gewesen, als im Restaurant zum Goldenen Löwen 14 Personen mit der konstituierenden Versammlung die Geburt des Eisklubs Luzern EKL vollzogen. Bei der Gründung wurden die folgenden, weitsichtigen Vereinsziele formuliert, die auch heute in angepasster Form noch ihre Gültigkeit haben: Schaffung guter Eislaufverhältnisse auf fremden oder eigenen Plätzen durch zweckmässige Anlagen und Unterhalt der Schlittschuhbahnen. Förderung der Kunst des Eislaufes durch Veranstaltungen von Trockenkursen für Anfänger und Fortgeschrittene, Fachkurse auf dem Eise, Schaulaufen für Kür- und Schulfiguren, Wettläufe, Walzerkonkurrenzen, Eisspiele usw. Beratung bei der Beschaffung geeigneter Ausrüstung usw. Pflege eines eleganten, natürlichen Sportes in frischer, gesunder Luft, Übung echter Kameradschaft durch gemeinschaftlichen Besuch auswärtiger Eisfelder der Umgebung, Veranstaltung von Vorträgen, Lichtbilder-Aufführungen, geselligen Zusammenkünften und drgl. Der Klub setzt sich zusammen aus Aktivmitgliedern, Junioren unter 17 Jahren, Passiv- und Ehrenmitgliedern. Die erste grosse Aufgabe des noch jungen Vereinsvorstandes bestand in der Suche nach einem geeigneten Platz, wo während des kommenden Winters ein Eisfeld angelegt werden konnte. Im Sommer 1927 – Charles F. Lindbergh hatte inzwischen im Mai als erster Mensch nonstop den Atlantik überflogen – wurden verschiedene Projekte ausgebrütet und geprüft. Man entschied sich, versuchsweise die Tennisplätze beim Kursaal in Eisfelder zu verwandeln. Trotz grossem Einsatz – die Stadt hatte sogar Motorspritzen zur Verfügung gestellt – gelang es aber nicht, ein kunstlauftaugliches Natureis herzustellen. Die Nähe des Sees mit seiner höheren Wassertemperatur wirkte nämlich wie eine Heizung und verhinderte ein richtiges Zufrieren. Im Januar 1928 gelang es schliesslich an neuem Ort, nämlich bei der Seeburg, ein kleines Eisfeld herzurichten und es fanden darauf die ersten Eislaufkurse des Vereins statt. Die Zwischensaison wurde mit geselligen Ausflügen nach Engelberg oder auf den Gütsch bereichert.

Eigener Platz
Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit der Eisqualität in der abgelaufenen Saison, wurde im Sommer 1928 eine Kommission bestimmt, die einen eigenen, geeigneten Platz finden sollte. Mit dem Automobil wurde daraufhin die nähere und weitere Umgebung der Stadt abgesucht. Standorte wie das "Giseli" bei der Seeburg, das alte Gasareal (heutige Zentralbibliothek) oder die Allmend wurden evaluiert. Am Schluss siegte der Standort Tribschen, dort wo ein paar Jahre zuvor die riesige Luftschiffhalle gestanden und auch schon früher Schlittschuh gefahren worden war. Es folgten Besprechungen mit dem Stadtpräsidenten und dem Baudirektor. Bald war man sich einig. Die Stadt würde das Eisfeld herrichten und ein allfälliges Betriebsdefizit übernehmen. Der Eisklub würde kostenlos die Verwaltung besorgen. Am Rande des Areals wurden zwei Buden aufgestellt, die als Restaurant "Bell-Villa" und als Garderobe dienten. Höhepunkte der Saison waren ein Kinderfest auf dem Eis sowie ein Schaulaufen von Gastläufern aus Engelberg. Die Zeitungen lobten das bunte Treiben und pulsierende Leben, das nun in die ehemals verlassene Gegend des Fröschenteichs eingezogen war. 1930 konnte ein neues Eisbahngebäude mit Lautsprecheranlage eingeweiht werden, das die beiden Baracken ersetzte. Die Begeisterung für das Eislaufen wuchs und so zählte der Verein bereits im Jahre 1932 einen Bestand von 666 Mitgliedern! In diesem Jahr wurde auch eine eigene Eishockeysektion gegründet. Im Februar 1934 fand ihr erster Hockey-Match gegen auswärtige Gäste statt.

Unzuverlässiger Winter
Zwar hatte der Eisklub auf Tribschen nun ein eigenes Eisfeld, doch die Probleme mit der Eisqualität des ungedeckten Natureises waren nicht gelöst. Schuld daran waren die "unzuverlässigen" Winter. Oft kam nämlich kurz nach dem aufwändigen Herrichten des Eises ein Tauwetter, welches alle Freuden wieder zunichte machte. War es zwar genügend kalt, verhinderten bald starke Schneefälle eine Benutzung des Eises. Dies hatte kurze, vielfach unterbrochene Eislaufsaisons und abgesagte Anlässe zur Folge, die deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen verursachten. Eine lückenlose Statistik der Jahre 1928 bis 1952 belegt eine Spannweite von 0 bis maximal 72 Fahrtage, wobei der Durchschnitt bei nur ca. 30 Tagen pro Saison liegt. Vielfach konnte aber nur morgens oder abends gefahren werden, da tagsüber das Eis zu weich wurde. Bereits im Jahre 1933 wurde deshalb ein Initiativkomitee für eine Kunsteisbahn gegründet. 1934 wurde anlässlich der Generalsversammlung ein Beitrag von Fr. 1'000.- für die Gründung einer Genossenschaft Kunsteisbahn gesprochen. Leider war das Echo in der Öffentlichkeit auf die zur Zeichnung versandten Prospekte sehr schlecht – kaum verwunderlich, fiel sie doch in die Zeit der grossen Wirtschaftskrise - und das benötigte Kapital von einer halben Million Franken konnte nicht beschafft werden. Als dann im September 1939 auch noch der zweite Weltkrieg ausbrach, musste das Projekt Kunsteisbahn vorläufig auf "(Natur) - Eis" gelegt werden. Trotzdem ging der Klubbetrieb weiter und Besuche bei Gastvereinen z.B. auf die Dolder-Eisbahn, gemeinsame Ausflüge auf den See oder auch Filmvorführungen bereicherten und ergänzten die jeweils kurze Eislaufsaison.

Kunsteisbahn
1945 war der Krieg endlich vorbei, man konnte wieder besseren Zeiten entgegensehen und das Projekt Kunsteisbahn kam langsam wieder aus der Versenkung. Mit zwei Eingaben an den Stadtrat wurde dieser 1946 ersucht, ein entsprechendes Projekt in den Bebauungsplan der Stadt einzubeziehen. 1949 wurde eine Motion an den Baudirektor eingereicht. Doch leider geschah weiter nichts und die Jahre zogen ins Lande. In der Festschrift zum 25. Geburtstag des Eisklubs 1952 kann deshalb folgendes gelesen werden: "Wir sind uns dabei vollauf bewusst, dass sich bei den hiesigen klimatischen Verhältnissen, die nur ein ungenügendes und ganz unregelmässiges Training gestatten, für unsere Mitglieder keine Spitzenleistung erzielen lassen. Dazu ist in unserer Gegend eine Kunsteisbahn notwendig, wie sie andere Städte mit zum Teil geringerer Einwohnerzahl schon seit Jahren besitzen. Wir wollen deshalb hoffen, dass die Zeit nicht mehr allzu fern sei, da auch dieser Wunsch der Schlittschuhläufer in Erfüllung geht." 1955 wurde eine Planungskommission Kunsteisbahn Luzern gebildet und 1956 in ein Initiativ-Komitee unter dem Vorsitz unseres sehr verdienten, inzwischen verstorbenen Ehrenmitgliedes und nachmaligen Stadtpräsidenten Dr. H.R. Meyer umgewandelt. Nach weiteren 4 Jahren ehernamtlich geleisteter Überzeugungs- und Projektierungsarbeit durch diese Eissportbegeisterten konnte endlich im März 1960 die Kunsteisbahn AG als Trägerin des Projektes gegründet werden. Der Eisklub Luzern ist einer der Gründungsaktionäre. Im Juni desselben Jahres erfolgte dann bereits der Spatenstich für die Kunsteisbahn. Im Dezember 1960 wurde eine erste Eisfläche dem Publikum übergeben. Die feierliche Eröffnung der gesamten Anlage bestehend aus zwei offenen Eisfeldern – eines davon mit gedeckter Tribüne und Stehrampe- , einer Curlinghalle, einem Restaurant sowie den benötigten Neben- und Technikräumen fand im November 1961 statt. Als "Geschenk" zum 20. Geburtstag leistete sich die Kunsteisbahn AG dann im Jahre 1979 die Überdachung des Eishockeyfeldes. Damit war man weniger witterungsanfällig, was eine optimalere Nutzung dieses Feldes ermöglichte.

Ausbildung und Nachwuchsförderung
Auf die Ausbildung und Nachwuchsförderung wurde seit den Anfängen des Vereins stets grosser Wert gelegt, obwohl die Möglichkeiten auf dem Eis zunächst sehr beschränkt waren. In der Not führte man sogar einen Versuch mit einem Eisersatz auf Wachsbasis durch, der aber bald wieder abgebrochen wurde. Schon im Herbst 1927 hatte man die ersten Trockenkurse im Hotel de la Paix durchgeführt. Damals erschienen die Damen zu diesen Übungen noch in langen Röcken und die Herren mit ihren Jacken und umgebundener Krawatte. Mit der Zeit wurde das Tenü dann etwas lockerer und sportlicher. Bereits 1933 wurde auch ein bekannter Trainer, nämlich der fünfmalige norwegische Schlittschuhmeister Holte aus Trontheim für eine Wintersaison nach Luzern verpflichtet. Unter dem Patronat des Schweizerischen Eislaufverbandes SEV fand im Januar 1944 erstmals ein Jugendlager in Davos statt, an dem der Eisklub Luzern mit zehn Junioren beteiligt war. Bei Tests wurde das Erlernte überprüft. Reichte vor 100 Jahren ein "Mond" um Bewunderung beim Publikum auszulösen, so stiegen die Anforderungen mit der Zeit immer höher. Heute kombiniert die Weltelite bereits Vierfach-Sprünge mit Dreifachsprüngen und eine Obergrenze ist (noch) nicht in Sicht. Der EKL wollte diese Herausforderungen ebenfalls annehmen und stellte deshalb bei der Nachwuchsförderung und im Leistungssport frühzeitig die richtigen Weichen: 1995 wurden die Vereinsstatuten angepasst, der Klub erhielt ein Leitbild und es wurden Ausbildungs- und Trainingsziele sowie entsprechende Konzepte dazu formuliert. Die klare Aufteilung in eine Grundausbildung, in den Breitensport und in den Leistungssport stellte fortan ein stufengerechtes, effizientes und zielgerichtetes Training sicher. Von erfahrenen Trainerinnen und Trainern angeleitet, verbuchten unsere motivierten Läuferinnen und Läufer seither überdurchschnittlich viele Erfolge bei Wettkämpfen und bei Tests. Von den vielen erfolgreichen Klubmitgliedern seien hier stellvertretend unsere bisherigen Schweizer Meister in der Kategorie Elite genannt: Verena Meyer (Verena Diener-Meyer) im Eistanzen 1967 zusammen mit ihrem Partner Roland Wehinger, Zürich sowie Kimena Brog Meier 2002 im Kunstlauf.

Anlässe
Bereits in den Anfangsjahren versuchten die Klubverantwortlichen durch Anlässe den Bekanntheitsgrad des Eislaufsportes zu fördern. Mit Schaulaufen, bei denen prominente damalige Meister auftraten, mit Kostümfesten und später auch mit Hockeyspielen erreichte man bald eine grosse Popularität bei der Luzerner Bevölkerung. Die Organisatoren mussten jedoch oft Veranstaltungen kurzfristig wieder absagen, da ihnen die Witterung beim offenen Natureisfeld einen Strich durch die Rechnung machte. Erst seit der Eröffnung der Kunsteisbahn 1961 stand eine Anlage zur Verfügung, die mit Tribüne, Infrastruktur und einer guten Eisqualität auch die Organisation von grösseren Anlässen ermöglichte. Zum 50-jährigen Bestehen des Schweizerischen Eislaufverbandes SEV wurde denn auch im Oktober 1961, noch vor der offiziellen Eröffnung der Kunsteisbahn, eine grosse Eisgala veranstaltet. Es folgten jährlich wiederkehrende Klub-Schaulaufen bei denen das Erlernte einem breiten Publikum gezeigt wurde und die bis heute durchgeführt werden, manchmal in Verbindung mit einer Eisrevue und mit Gastläuferinnen und -läufern von Weltklasse. Auch bei Leistungssport-Veranstaltungen war und ist unser Klub sehr initiativ. Bereits 1961 organisierte er die ersten Schweizer Eistanzmeisterschaften, zwei Jahre später fanden in Luzern die Schweizer Junioren-Meisterschaften im Eiskunstlaufen statt und der Höhepunkt bildete 1966 die Durchführung der A-Meisterschaften im Kunstlauf und Eistanz. Daneben wurden viele lokale und regionale Wettkämpfen auf "unserem" Eis ausgetragen. Obwohl die in die Jahre gekommene Infrastruktur der Kunsteisbahn den gestiegenen Anforderungen immer weniger genügte, gelang es unserem Verein, im Januar 1999 die Schweizer Meisterschaften im Eiskunstlauf der Kategorie Nachwuchs und im Dezember des gleichen Jahres die Swiss Series nach Luzern zu holen. Mit viel Knowhow und dank grossem Einsatz unzähliger Helfer garantierte das Organisationskomitee trotz alter Anlage nochmals perfekt organisierte Meisterschaften. Doch der Ruf nach einem modernen Eiszentrum wurde immer lauter.

Regionales Eiszentrum
Am 1. Februar 2003 war es soweit: Nach einer gut halbjährigen Umbau- und Renovationszeit erstrahlte die alte Kunsteisbahn in neuem Glanz. Der lang ersehnte Traum von einem modernen, multifunktionalen Zentrum für den Eissport und andere Veranstaltungen war in Erfüllung gegangen. Das neue regionale Eiszentrum ist ein Gemeinschaftswerk der öffentlichen Hand und von Privaten und wurde auch durch die Eissportvereine mit namhaften Finanzbeiträgen unterstützt. Es verfügt über ein stark vergrössertes und überdachtes Aussenfeld, eine geschlossene und wärmegedämmte Eishalle sowie über eine moderne Infrastruktur. Vom Wetter fast unabhängig, kann jetzt die Eissaison in Luzern flexibler gestaltet und auch verlängert werden. In der gut eingerichteten Anlage sind auch anspruchsvolle Anlässe und Meisterschaften wieder möglich. Der Eisklub bewies dies mit der Durchführung der Junioren Schweizer Meisterschaften im Eiskunstlaufen anfang 2006. Die Kehrseite der Medaille sind leider die stark gestiegenen Kosten für die Eisbenutzung in der neuen Anlage. Wie viele andere Vereine, kämpft auch der EKL gegen einen sich abzeichnenden Mitgliederschwund. Das Überangebot an Freizeitbeschäftigungen, die gestiegene Mobilität und auch die höheren Anforderungen seitens der Schulen bilden eine ernsthafte Konkurrenz für den zwar wunderschönen, aber zeitaufwändigen Eislaufsport. Mit einem abwechslungsreichen, methodisch aufgebauten Angebot an Kursen und Veranstaltungen in der attraktiven Umgebung des neuen Eiszentrums, das den sinnigen Namen "Swiss Life Arena" trägt, und durch die Organisation von unkomplizierten, geselligen Anlässen nehmen die Mitglieder und Klubverantwortlichen diese Herausforderung sportlich und zuversichtlich an.